von Peter Peuker |
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Jetzt, im Februar 2008, habe ich mich endlich aufgerafft und schreibe den Reisebericht unseres letzten Sommerurlaubes zu Ende. Irgendwann im September oder Oktober hatte ich schon mal damit angefangen, bin dann aber beim Schreiben sozusagen „steckengeblieben“. Auf unserer Internetseite www.northtrail.de war der Bericht ja schon eine ganze Weile angekündigt. Inzwischen ist schon wieder einiges passiert und ich muss aufpassen, dass mich die Zeit nicht einholt, weil wir bereits bei der Planung unseres nächsten Nordlandurlaubes angekommen sind. Wenn ich im Reisebericht von unserem Rauhaarteckel Dark schreibe, dann muss ich hier auch erwähnen, dass Dark im Januar mit erst 11 ½ in den Hundehimmel eingezogen ist. Aber wie schreibt Tschingis Aitmatow in einem seiner Bücher „Die Erde rast durch den Weltraum“ : Es geht eben weiter. Fange ich also mit einem Freitag im Juli 2007 an: Nun war es endlich wieder soweit. Über 11 Monate mussten wir uns gedulden bis es wieder in den Norden, ins „gelobte Land“, gehen konnte. Das Reisegefährt, unser L 200, ist mit allem beladen, was ein mehrwöchiger Campingurlaub erfordert.
Dark und Dascha unsere Hunde, die schon Angst hatten, dass sie zu Hause bleiben müssen, sitzen auf der Ladefläche des Pickup ungeduldig wartend, aber brav an ihrem Platz. Und dann geht‘s los, am Freitag den 13. um 18.00 Uhr, von unserem Wohnort Rehfelde in Richtung Schweden. Die Fähre, die eigentlich um 21.45 Uhr fahren sollte, legt mit reichlich Verspätung von Rostock nach Gedser ab.
In diesem Jahr wohnen wir wie die Nomaden in unserer geräumigen und mit einem Holzofen beheizbaren Zeltkåta. Ja und die Kåta heizen, das werden wir in diesem Urlaub noch ziemlich oft.
Die ersten Urlaubstage verbringen wir u.a. mit Paddeln auf den umliegenden Seen sowie Blaubeeren und Pilze sammeln. Pfifferlinge gibt es reichlich, sie stehen links und rechts an den Schotterpisten. Zwischen sonnigen Abschnitten regnet und gewittert es häufig. Fast zwei Tage stürmt es kräftig. Der Wind heult und rüttelt mächtig am Zelt. Ich muss zusätzlich alle Zeltstrurmleinen abspannen.
Unsere geplante Paddeltour auf den Kornsjöarna an der norwegischen Grenze in Bohuslän verschieben wir wegen des Wetters und brechen darum auf in Richtung Atlantikküste nach Norwegen. So richtig durchgeplant haben wir diese Reisroute nicht, aber das macht die Sache um so spannender.
Einen Zwischenstopp mit Hüttenübernachtung gibt's in Lesjaskog. Vor ein paar Jahren haben wir die Gegend hier schon mal erkundet. Am See in Lesjaskog war damals mein Sohn für Stunden verschollen. Während der anschließenden Suchaktion habe ich ziemlich schlimme Momente durchgemacht und wenn ich heute daran zurückdenke, wird mir immer noch ganz flau im Bauch und ich bekomme weiche Knie. Am nächsten Tag fahren wir weiter in Richtung Åndalsnes und Molde. Da die Straße durchs Romsdalen in Richtung Fjord abwärts führt, werden die Berge links und rechts immer höher. Leider liegen die Trollwand und das Romsdalshorn heute versteckt in den Wolken. Es regnet wieder mal.
Hinter Åndalsnes haben wir eine Fährpassage und queren den Fjord durch einen Tunnel. Je näher wir dem Atlantik kommen umso besser wird das Wetter. Der Himmel klart auf und die Temperaturen steigen in einen sommerlich annehmbaren Bereich von 18 – 19 °C.
Bei Bud, einem kleinen Fischerdorf, finden wir einen landschaftlich schön gelegenen Zeltplatz. Wolken und Inseln weit draußen am Horizont versinken scheinbar im Meer. Die Erfahrung des Sichtbarwerdens der Erdkrümmung.
In Bud stehen Reste der Festung "Ergan". Im 2. Weltkrieg wurde diese Kriegsanlage hoch oben über der Hustadvika (Hustadbucht) von der Wehrmacht errichtet. Unmenge Beton sind für Befestigungen und unterirdische Gänge verbaut worden. Hier waren 350 deutsche Soldaten stationiert sowie 150 russische und polnische Kriegsgefangene. Wer mehr wissen will klickt hier (auf norwegisch) oder hier (auf deutsch).
Unser Zelt steht 10 m vom Atlantik entfernt, mit Blick auf zahlreiche Inseln und die Romsdalsalpen im Hintergrund.
Am Abend haben wir hier öfter die Schiffe der Hurtigrute in Richtung Molde fahren sehen. Wenn Ebbe ist, dann kann man auf die gegenüberliegende Insel laufen oder den Meeresboden nach "Schätzen" absuchen. Die zahlreichen Inseln in Zeltplatznähe erkundeten wir bei ruhigem Wetter mit dem Kanu.
Zeltplatz Blåhammer kurz vor Bud (bei Ebbe)
Von hier aus machen wir mehrere Ausflüge.Wenn man in dieser Gegend ist gehört der Atlanterhavsveien sicher zum "Pflichtprogramm". Diese fast 10 km lange Küstenstraße führt über zahlreiche Inseln, Brücken und Dämme mit vielen Aussichtspunkten am Atlantik entlang. 1983 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. 8 Brücken mit einer Gesamtlänge von 891 m wurden errichtet. Die Storseisund-Brücke hat z.B. eine Länge von 260 m und eine Höhe von 23 m. Die größte Steigung beträgt immerhin 8%. Im Jahr 1989 wurde der Atlanterhavsveien mit einer Bausumme von 122 Millionen Norwegischen Kronen fertiggestellt. Besonders im Herbst, wenn die Sturmwellen sich an den Felseninseln brechen, ist die Atlantikstraße ein Anziehungspunkt.
300° Panorama vom Moldefjord und den Romsdalsalpen
(Gehe mit der Maus auf das Bild. Mit der linken Maustaste kann das Bild bewegt werden.) Als nächstes Reiseziel haben wir Trondheim anvisiert. Zunächst fahren wir noch einmal den Atlanterhavsveien in Richtung Kristiansund. Es folgen 2 Fährpassagen, zahlreiche Tunnel, Brücken und Mautstraßen.
Die Landschaft wird jetzt wieder etwas sanfter. Die Berge sind nicht mehr so hoch und in den flachen Tälern wird Getreide angebaut.
Um nicht auf einem eventuell allzu lebhaften und teuren Zeltplatz in Trondheim zu landen, steuern wir den Zeltplatz in Flakk direkt am Trondheimfjord mit Fähranleger nach Rörvik an. Urlaubszeit ist oft auch Lesezeit. Und gerade erst in Bud habe ich ein Buch zu Ende gelesen, dass mich ganz besonders in seinen Bann gezogen hat. An einigen Handlungsschauplätzen oder in deren Nähe kommen wir nun vorbei. Namen wie Sveggesundet, Trondheim und der Trondheimfjord sind u.a. darin besondere Handlungsschauplätze. Diejenigen die es schon gelesen haben wissen, dass ich das Buch "Der Schwarm" von Frank Schätzing meine.
Hier wurden im Mittelalter und in den Jahren von 1818 bis 1906 die norwegischen Könige gekrönt. Die Reichsinsignien und das Reichsschwert befinden sich noch heute hier. Der Name "Nidaros" stammt vom alten Namen Trondheims ab.
Nach der Dombesichtigung machen wir noch einen Stadtrundgang. Am Nidelva entlang, mit der Gamel Bybro (Alte Brücke) und bunten Speichergebäuden auf Stelzen, gehts zum Hafen. Am Hafen liegen unzählige Yachten, Kutter und Sportboote. Ein besonderer Höhepunkt ist die Fischhalle. Beim Anblick der Auslagen läuft uns das Wasser im Mund zusammen. Wir gönnen uns Lachs- und Krabben- (Reker)-Baguettes. Dann machen wir noch einen Abstecher zur Touristinfo direkt im Zentrum.
Wir lassen Trondheim hinter uns und brechen auf in Richtung „Nordland“. Hinter Grong fahren wir runter von der E6 und gelangen über Nebenstraßen auf den Kystriksveien, der Reichsstraße Nr. 17.
Je weiter wir nach Norden und in Richtung Küste kommen umso rauer wird die Landschaft. Steile, felsige Berge mit abgerundeten Gipfeln. Wälder mit niedrigen Birken und Fichten sowie Heide. Dominiert wird das Landschaftsbild hier vom 1063m hohen Heilhornet. Am Lysfjord setzen wir von Holm nach Vennesund mit der Fähre auf die Halbinsel Sømna über. Bei Vik finden wir den landschaftlich toll gelegenen Zeltplatz „Björnvika“.
Hier machen vor allem Angler Urlaub. Die zahlreichen „Trophäen“ am Fischhaus zeugen vom Erfolg der Petrijünger. Auf der kleinen Felseninsel vor uns lauern die Möwen auf Fischabfälle. Es ist recht frisch und der Nordwind kühlt zusätzlich aus. Ein Glück, dass wir unsere beheizbare Kåta haben. Am Abend wird jedenfalls der Ofen ordentlich mit Holz bestückt.
Bei Ebbe gehen wir auf Schatzsuche und finden zahlreiche bunte Muschelschalen, Steine und andere undefinierbare Überbleibsel von Meerestieren, die zu Hause in einer passenden Schale ihren Platz finden sollen. Die Landschaft hier am Atlantik auf Höhe des 64. Breitengrades ist vor allem durch das Meer und den Golfstrom geprägt. Viel Weideland in den Tälern und an der Küste, an den Berghängen stehen Birkenwälder und Heidegesellschaften. Die Bergkuppen sind felsig und baumlos. Von Einheimischen erfahre ich, dass es hier an der Küste im Winter kaum Schnee gibt. Draußen auf dem Atlantik hängen Wolken über den Vegatindan und Trolltinden (800m ü. NN) auf der Insel Vega. Dieser Anblick hat etwas Uriges und erinnert an das Herabstürzen gewaltiger Wassermassen eines gigantischen Wasserfalls.
Am nächsten Tag fahren wir nach Brønnøysund und zum Torghatten. Auf einer Weide sehen wir ein Elchtier (umgangssprachlich: Elchkuh) mit zwei Kälbern. Wir können beobachten, dass sich die Kälber zum Äsen auf die Vorderläufe knien müssen, da ihre Körperproportion mehr hoch als lang ist. Der Skillebotnfjorden bei Brønnøysund besticht mit seinem türkisfarbenen Wasser und erinnert uns eher an südländische Gefilde. Das Örtchen Brønøysund hat einige Supermärkte, kleine Geschäfte und Restaurants und einen Hafen für Fischerei, Fähren (hier legen auch die Schiffe der Hurtigruten an) und Sportboote.
Gegenüber der Stadt liegt die Insel Torget, auf die man über eine schmale, hohe Brücke mit 90 ° Kurve gelangt. Auf Torget steht der 258 m hohe Torghatten. Ein Berg mit einem gewaltigen Loch mitten drin. Dieses Loch öffnet den Blick auf der einen Seite zum Atlantik und auf der anderen zum Fjord. Entstanden ist es infolge von Ausspülungen beim Abschmelzen der Gletscher während der Eiszeit. Der Aufstieg dauert 20 – 30 min und führt auf den letzen 50 Höhenmetern auf steilen Felsstufen nach oben. Wer in dieser Gegend ist, für den gehört der Torghatten zum Pflichtprogramm. Sogar die Fährschiffe der Hurtigrute kommen u.a. deswegen hier vorbei. Außerdem ist der Aufstieg ein guter Konditionstest.
Unterhalb des Berges befindet sich ein netter Campingplatz direkt am Fjord mit Sandstrand und Gastronomie. Der Platz ist nicht riesig und war nicht besonders voll. Neben den in Norwegen vielerorts auf Zeltplätzen üblichen Wohnmobilen/Wohnanhängern standen dort auch mal ein paar Zelte rum. Als wir Kaffee trinken und den dort selbstgebackenen Kuchen essen fährt gerade auf dem Sund das Hurtig-Schiff „Nordnorge“ vorbei.
Auf der Rückfahrt zum Zeltplatz gibt es Elch Nr. 4 an diesem Tag. Ein schon fast kapitaler Elchschaufler bringt sich für ein Foto für uns in Pose. Am darauffolgenden Tag ist der Himmel bedeckt und es ist relativ windstill. Nachdem wir einfach mal nur rum gegammelt haben, brechen wir kurz entschlossen von Björnvika in Richtung ??? auf. Wie wird unsere Reise weitergehen? Welche kleinen "Abenteuer" werden wir noch im Norden erleben? Das erfahrt Ihr im Teil 2 des Reiseberichtes "Back to Scandinavia" hier auf www.northtrail.de. Fortsetzung folgt in einem gesondertem Bericht mit Teil 2! |