Lockruf des Glaskogen
-Ein Wald in Värmland-

von Peter Peuker
Fotos: Karin Simke, Peter Peuker

 Reiseberichte.com


Riesige Waldflächen, idyllische Lichtungen, einsame Seen, Blaubeerfelder, ergiebige Pilzgründe
und noch viel, viel mehr bietet der Glaskogen in Westvärmland.

Eine magische Anziehungskraft besitzt er, der Glaskogen. Rings um die beiden Seen Stora Gla und Övre Gla, die eingebettet in einer stark hügligen Landschaft liegen, erstreckt sich dieser Zauberwald. Wer einmal da war, will immer wieder dorthin zurückkommen. Auch wir sind von ihm in seinen Bann gezogen worden.
Ein paar Tage Glaskogen gehört sozusagen zum obligatorischen Programm jeden Schwedenurlaubes. Naja, fast in jedem.

Am Övre Gla, dem zweit größten See im Glaskogen Naturreservat.


280 km² ist das Naturreservat Glaskogen groß. Zum Vergleich der Müritz Nationalpark in Mecklenburg Vorpommern hat eine Fläche von 322 km². Der Wald ist das bestimmende Landschaftselement. Ja und im Wald da fühlen wir uns ganz besonders geborgen. Aber was wäre ein Wald ohne einen Waldsee. Der Glaskogen hat jedoch nicht nur einen, zwei, drei … zehn, fünfzehn, sondern fünfzig oder sogar sechzig Waldseen. Ich weiß es nicht genau, es sind jedenfalls ziemlich viele kleinere und größere. Die Geländehöhen liegen so etwa zwischen 300 m und 100 m ü. NN. Menschen wohnen hier gemessen an deutschen Verhältnissen wirklich nicht viele bzw. besser ausgedrückt sehr wenige. Vielleicht einer oder zwei pro km²? Im Sommer gibt es auf alle Fälle mehr Touristen als Einwohner. Das soll nun wirklich nicht heißen, im Sommer herrscht im Glaskogen ein Menschen Gewimmel.
Nach dem wir 4 Tage im westlichen Seengebiet von Årjäng paddeln waren (siehe Reisebericht) zog uns die Magie des zauberhaften Glaskogen für ein paar Tage in ihren Bann.


Am Ufer des Övre Gla errichten wir an einem herrlich gelegenen Platz unser Camp für die kommenden Tage im Glaskogen.

Es ist Mitte Mai, die Urlaubssaison hat noch nicht begonnen, und so konnten wir uns aus den vielen herrlich gelegenen unbesetzten wilden Stellplätzen denjenigen aussuchen, den wir wollten. Vor lauter Herrlichkeit fiel uns die Entscheidung gar nicht so leicht. Am Südost Ufer des Övre Gla, dem zweit größten See des Naturreservates, so etwa 2 km von Lenungshammar entfernt, im Zentrum der „Wildnis“, platzierten wir unsere Zeltkåta. Die uns umgebende Landschaft könnte auch viel, viel weiter nördlich in Härjedalen, Jämtland oder Lappland zu finden sein. Der Övre Gla ist im südlichen Teil zergliedert mit Inseln, Halbinseln und Sumpfzonen. Die vorherrschende Baumart ist die Kiefer, aber auch Fichten, Pappeln, Birken, Wacholder, Heidekraut und Blaubeeren bestimmen das Waldbild.


In Lennungshammar, einem Örtchen mit höchstens einer handvoll Einwohnern, befindet sich die Rezeption des Naturreservates. Hier kann man die Glaskogskortet und Fischkarte kaufen. Kanus und Fahrräder ausleihen und
es gibt ein kleines Angebot an Lebensmitteln, Souvenirs und guten Kaffee. Um die Rezeption herum befindet
sich der offizielle Zeltplatz (wir stehen jedoch mit unserem Zelt lieber irgendwo im Wald). In einem Nebengebäude
befinden sich Duschen und Waschmaschinen. Es lohnt auch der Besuch des in einem Blockhaus nahegelegenen
Cafe "Karl XII". Die Rezeption in Lennungshammar ist allgemeiner Treffpunkt der Glaskogen-Aktivisten,
Weltenbummler und anderer Schwedenreisenden.


In der Rezeption des Naturreservates in Lenungshammar werden wir von der blonden Schwedin Vivi begrüßt. 30 Schwedische Kronen pro Person und Tag (Stand Mai 2008) kostet eine Glaskogskortet, die zur Benutzung aller touristischen Einrichtungen berechtigt. Touristische Einrichtungen in der Wildnis? Was gibt es denn da so alles? Lagerplätze mit Sitzbänken, Tischen, Feuerstellen und Feuerholz. Plumpsklos mitten im Wald, z.T. auch für Rollstuhlfahrer, Windschutze, Abfallbehälter mit Mülltrennung, 300 km ausgewiesene Wander-, Bohlenwege und einige Kanurouten auf den größeren und kleineren Seen mit zahlreichen Portagen. Das highlight sind offenstehende Übernachtungshütten, die einsam in der Waldwildnis an traumhaften Plätzen stehen. Die Rezeption ist allgemeiner Treffpunkt für Wanderer, Paddler, Sammler, Jäger, Tagesgäste, Reisegruppen, Glaskogenfans und andere. Im Sommer kann es hier schon ein bisschen betriebsam werden. Es soll sogar schon vorgekommen sein, dass Bekannte sich dort, mitten im Wald, getroffen haben.
Der Övre Gla lädt uns zu einer kleinen Kanu-Erkundungstour auf dem südlichen Teil dieses großen Sees ein. Die Landzungen Norra Sundsudden und Södra Sundsudden bilden das Tor zur großen offenen Wasserfläche des Övre Gla. Auf Södra Sundsudden befindet sich eine herrlich gelegene, aber spartanisch eingerichtete Übernachtungshütte für 4 Personen.



Wir genießen die Stille und die Abendsonne, die es wirklich gut mit uns meint. Über dem See erklingen
die Rufe der Prachttaucher und der Kanadagänse.

 

Wir verbringen die nächsten Tage im Zauberwald mit Elch- und Bibersafari, einem Besuch im Städtchen Arvika und herrlichen Abenden am Lagerfeuer. Im Wald treffen wir Gerhard und Heiko, zwei Gleichgesinnte, und gemeinsam können wir unseren letzten Abend mit einer Unmenge an Gesprächsstoff über vergangene und zukünftige Abenteuer ausfüllen.
So richtig schwer fällt uns die Abreise nicht, denn in wenigen Wochen werden wir wieder dem „Lockruf des Nordens“ folgen. Und eins ist ziemlich sicher: Es gibt noch viel zu erleben, im Glaskogen.

 


Die all abendlichen Lagerfeuer sind Pflichtprogramm. Der Sonnenuntergang ist jetzt im Mai erst gegen 21:30 Uhr.
Bei längerer Trockenheit besteht im Sommerhalbjahr auch schon mal Feuerverbot (eldningförbud).

 

Bibereldorado am Barlingshultälven. Neben dem Biber gibt es selbstverständlich Großsäuger wie den Elch im Glaskogen.
Auf Anschlagtafeln, die für Hundhalter ausgehängt sind, stehen Hinweise, dass hier Bär und Wolf vorkommen. Jedenfalls passt dazu diese Meldung:
Am 25. Januar fand ein Jäger seinen mit Sicherheit von einem Wolf getöteten Hund im Glaskogen.

 


Wir sind unterwegs zur Erkundung des Övre Gla. Im Nordwesten gibt es einen Zufluss aus dem See Gladåkern in
den Övre Gla . Dort steht einsam und idyllisch abgelegen ein Häuschen. Aber was ist denn das da mitten auf der Wiese?

 

 


Ganz unverhofft findet es statt, das Treffen zwischen dem Dachs und uns. Alle sind überrascht und verdutzt.
Das Dächslein muss sich erstmal vor Schreck setzen. Wo soll es nur hin?
Auf der einen Seite der See auf der anderen die Störenfriede.

 

 


Am Ufer gibt es große Steine und Felsen. Also erstmal schnell dorthin auf der Suche nach einem Unterschlupf.
So richtig klappt es aber nicht mit dem Versteckspiel für Grimbart und wir kommen noch zu ein paar schönen Dachs-Fotos.

 

 


Vom Örtchen Lennungen hat man einen herrlichen Ausblick über die sanfte Hügellandschaft des Glaskogen.
Schemenhaft ist der Övre Gla im Tal zu erahnen. Im Bild ist auch eine der typischen, gut befahrbaren Schotterpisten (Grusväg) zu sehen, die kilometerweit durch Schwedens Wälder führen.

 

 


Karin genießt den Abend nach einer kleinen Paddeltour auf dem Övre Gla. Im Glaskogen bieten sich mehrere
Paddeltouren im südwestlichen Teil des Naturreservates an. Besonders gut geeignet dafür sind die Seen
Mjögtvängen, Nedre Tvängen, Norre Tvängstjärn, Furuvattnet, Ösjön, Lelången und viele kleinere, die dazwischen liegen.
Allerdings sind dabei auch zahlreiche Portagen zu meistern. siehe Glaskogen - Kanukarte Lelången

 

 


Kanadagänse treten meist im Familienverband in Erscheinung.

 


Im Glaskogen befinden sich Brutgebiete von Kranichen.

 


Wir treffen Gerhard und Heiko, zwei "Gleichgesinnte", und verbringen einen Lagerfeuerabend
mit Klönsnack über Kanu, Kanada ... .

 

 

  • Infokasten

Übersichtskarte (Klick zum vergrößern)



Einrichtungen im Glaskogen Naturreservat


An der Nordspitze des See Lelången befindet sich der Biwakplatz "Sjöändan".
Dort gibt es mehrere Feuerstellen, Sitzbänke, ein Windschutz, Plumpsklos, Abfallbehälter, Holzlager
und ein kleiner Badestrand (siehe folgende Fotos).


Plumpsklos mit zahlreichen, meist in deutsch verfassten, persönlichen Widmungen an den Wänden.
Das rechte Klo ist behinderten freundlich.


Im Glaskogen Naturreservat wird auch im Wald Abfalltrennung praktiziert. Weiß-Glas, Bunt-Glas,
Weißblech und sonstiger Müll.


An Windschutzen, Biwakplätzen und Übernachtungshütten liegt ein Vorrat an getrocknetem Birkenholz.
Ob das auch zukünftig so sein wird? Offensichtlich wird von diesem Holz so einiges an andere Orte "verschleppt". Entsprechende Anschläge weisen darauf hin, dass das Holz nur für den jeweiligen Platz bestimmt ist.


Im gesamten Glaskogen Naturreservat gibt es eine Vielzahl von Windschutzen mit Grill- und Feuerstelle.
Diese können Wanderer, Paddler und andere Besucher mit Glaskogskortet benutzen.


300 km gut markierte (orange Markierungen an Bäumen, Felsen, Steinen oder Pfählen)
und ausgeschilderte Wanderpfade gibt es im Glaskogen.


Informationstafeln geben Auskunft über die Bestimmungen des Naturreservates, Veranstaltungen
in der Umgebung und anders mehr.


Übernachtungshütten

Eine Besonderheit des Glaskogen Naturreservates sind die dort vorhandenen Übernachtungshütten, die von allen Wanderern, die im Besitz einer gültigen Glaskogskortet sind, genutz werden können. Die Hütten sind das ganze Jahr über unverschlossen, einfach eingerichtet, besitzen Betten, Tisch, Stühle und eine Heizquelle. Wasser gibt es aus dem See oder einer Pumpe. Draußen im Wald stehen auch die Plumpsklos. Übrigens kann niemand den Anspruch erheben, eine nicht vollbelegte Hütte für sich alleine zu nutzen.


In der Nähe der Siedlung Barlingshult, hoch über dem Övre Gla, steht diese Blockhütte mit 4 Betten, Tisch, Stühlen und einem Holzofen.

 


Nordwestlich vom Övre Gla steht an einem rauschenden Wehr die Hütte Gladåker. Zur Ausstattung gehören 4 Betten, Tisch, Stühle, Holzofen und ein Grillpatz/Feuerstelle direkt am Seeufer.

 


Dammarna ist die größte Hütte im Glaskogen Naturreservat und liegt direkt am Ostufer des Stora Gla. Das Haus hat
10 Betten, Elektroheizkörper und einen schön gelegenen Grillplatz am felsigen Seeufer.

 


Die Hütte "Haus Lillebo" steht direkt im Örtchen Gängene und hat keine unmittelbare Seenähe.
Zur Ausstattung gehören u.a. 4 Betten und ein Holzofen.

 


Auf der Landzunge "Södra Sundsudden", die in den Övre Gla hineinragt, steht diese einfach eingerichtete Hütte mit
4 Betten und Holzofen.

Eine weitere kleine Wandererhütte mit nur 2 Betten steht einsam am Zufluss des Mjögtvängen in den Nedre Tvängen im südlichen Glaskogen.

 

Info's und Links

  • Web-Seite des Glaskogen Naturreservates
  • die Glaskogen - Kanukarte Lelången (super hinsichtlich kartografischer Gestaltung u. Informationsgehalt)
  • die Wander- und Freizeitkarte des Glaskogen
  • beste Reisezeit: Sicherlich hat der Glaskogen je nach persönlichen Vorlieben in jeder Jahreszeit seinen Reiz, aber empfehlenswert sind die Monate von Mai bis Oktober. Im Winter würde ich die Monate Februar und März wegen der schon wieder besser werden Lichtverhältnisse empfehlen.
    Eine 100 %- ige Schneesicherheit gibt es jedoch im Glaskogen nicht.
  • Kanuvermietungen gibt es u.a. direkt in Lennungshammar, in Årjäng (Karte) oder Arvika (Karte)
  • Die Glaskogskortet berechtigt zur Nutzung der touristischen Einrichtungen incl. des bereitgestellten Feuerholzes an den Lagerplätzen, Windschutzen und Übernachtungshütten.

    Die Karte kostet 30 SEK/Person/Tag. Bei längeren Aufenthalten mit der Familie, lohnte es sich in der Vergangenheit eine Familien-Jahreskarte zu kaufen. Ob es die jedoch noch gibt? Auf der Glaskogen-Web-Seite ist nichts darüber zu frinden.
  • Diese Fiskekort berechtigt zum Angeln auf ca. 80 Seen im Gebiet. Es gibt Tageskarten, Wochenkarten, Familien- und Gruppenkarten. Für Kinder/Jugendliche unter 16 Jahre ist das Angeln frei.

Ausflüge

  • am Westufer des Övre Gla steht das "Dragspelhuset" (Ziehharmonika-Haus)
  • nach Arvika , das u.a. bekannt durch das "Arvikafestivalen" ist, oder ins nahe gelegene Årjäng, wo sich mitten im Ort ein Supermarkt befindet und ein Systembolaget - Geschäft
  • auch ein Tagesausflug in die Norwegische Hauptstadt Oslo haben wir schon vom Glaskogen aus unternommen

(Touren)